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Ö1 Mittagsjournal - Bernt Koschuh
Wir sind absolut dafür, dass der Kindergarten gratis ist, sagt die stellvertretende Obfrau des Dachverbands der Kindergartenpädagoginnen Raphaela Keller. Denn der Kindergarten sei eine ebenso wichtige Bildungseinrichtung, wie die Schulen.
Derzeit eine Pädagogin auf 25 Kinder Aber die Einführung des Gratisjahres werde wohl den Betreuungsschlüssel und die Qualität der Kindergärten weiter verschlechtern: "Ich befürchte Qualitätseinbußen, wenn noch mehr Kinder sind, da die Kindergartenpädagoginnen schon jetzt am Limit sind. Es gibt nicht genug Pädagoginnen. Wir fordern an sich zwei Pädagoginnen für 15 Kinder und jetzt haben wir 25 Kinder mit einer Pädagogin. Da kann die Qualität nicht mehr vorhanden sein." Und wenn Keller zwei Pädagoginnen pro Kleingruppe fordert, meint sie zwei ausgebildete Kindergärtnerinnen und nicht Helferinnen.
Österreich: Wenig Geld für vorschulische Bildung Was jetzt an zusätzlichen Ausgaben des Staates geplant ist, reiche nicht, sagt Heidemarie Lex-Nalis v on der Plattform Educare, der viele Kindergartenträger angehören. Sie fordert: "Die Verdoppelung der bisherigen Ausgaben. Das europäische Netzwerk Kinderbetreuung hat bereits vor mehr als zehn Jahren die Empfehlung ausgegeben, drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die vorschulischen Bildungseinrichtungen herzugeben. Österreich hat das damals mitbeschlossen. Ausgeben tun wir 1,45 Prozent."
Forderung: muttersprachliche Pädagogen Weitere konkrete Forderungen und Ziele: Mehr Platz für die Kinder, zusätzliche muttersprachliche Betreuer etwa für Migrantenkinder, sowie eine verbesserte und akademische Ausbildung für Kindergärtnerinnen.
Kindergärtnerinnenausbildung an Pädagogischer Hochschule Die Bundesregierung plant in einem ersten Schritt, dass die Kindergartenausbildung an die pädagogischen Hochschulen kommt und damit praktisch der Pflichtschullehrerausbildung gleichgestellt wird. Bessere Ausbildung, so Raphaela Keller vom Dachverband der Kindergartenpädagoginnen, müsse dann auch bessere Bezahlung bedeuten: "Wenn ich von 1250 Euro brutto Anfangsgehalt ausgehe, dann müssten da mindestens 500 dazu."
Kindergärtnerinnen haben sehr wenig Vorbereitungszeit Und die Kindergärtnerinnen, so Keller, bräuchten deutlich mehr Vorbereitungsstunden. Die Aufregung unter den Lehrern über die geplante Ausweitung ihrer Unterrichtszeit von rund 20 auf 22 Stunden in der Klasse versteht sie nur bedingt: "Wenn ich es vergleiche, welche Arbeitsbedingungen unserer Kindergartenpädagoginnen haben, kommt es nicht gut rüber. Bei uns müssen Leute mit einer 40-Stundenanstellung, teilweise auch 40 Stunden Kinderdienst machen."
Viele Kindergärtnerinnen gehen in besser bezahlte Jobs Wenn die Kindergärtnerinnen mehr Vorbereitungszeit und bessere Arbeitsbedingungen hätten, dann, so die beiden Interessensvertreterinnen, würden auch mehr ausgebildete Kindergärtnerinnen im Kindergarten arbeiten, anstatt in andere, besser bezahlte Jobs auszuweichen.
Quelle: ORF Ö1
Gatiskindergarten Rammer: Kindergarten ist Bildungseinrichtung
Ö1 Morgenjournal - Andrea Maiwald
Für Gernot Rammer, Geschäftsführer der Kinderfreunde, begrüßt im Ö1 Morgenjournal-Interview die Kindergartenpflicht und meint, dass es der richtige Weg sei den Kindergarten endlich als Bildungseinrichtung zu sehen, wohin es genauso normal sei zu gehen, wie in die Volksschule.
Gratiskindergarten: Gute Diskussion Er bedaure, dass es in Österreich keine Universitätsbildung für Kindergärtner und Kindergärtnerinnen gebe. Das soll ja geändert werden. Für Rammer ist das ist die gesamte Diskussion ein großer Schritt, es sei gut die Verpflichtung zum Kindergarten zu diskutieren.
Kolleginnen zurückholen, trotz geringer Bezahlung? Auf die Frage nach der niedrigen Bezahlung der zum ganz großen Teil weiblichen Kindergartenpädagoginnen geht Rammer nicht wirklich ein, sondern meint nur, dass das nicht gerecht sei. Er wolle Kolleginnen, die in anderen Berufen arbeiten, zurückholen.
Problem mit fehlender Infrastruktur Auf die Frage, ob es Probleme geben werde, nachdem jetzt der Kindergarten gratis werden soll. Es ist zu hoffen, dass alle einen Platz bekommen, sagt Rammer, man werde sehen, wie schnell die Politik ist, Infrastruktur zu schaffen. Derzeit zu viele Kinder pro Betreuer, aber es gebe Landesgesetze, die eine maximale Zahl von Kindern pro Gruppe festlegten.
Viel zu wenige Plätze für Kinder unter drei Jahren Es bestehe aber durchaus die Gefahr, dass die Fünfjährigen genommen würden und die Dreijährigen übrigblieben. International gesehen habe Österreich sowieso das Problem, dass es eine erschreckend niedrige Zahl von Plätzen für Unter-Dreijährige gebe. Man müsse noch viel mehr Geld in die Hand nehmen und Verbesserungen anstreben: bei der Gruppengröße und bei der Ausbildung.
Quelle: ORF Ö1
Vor Beschluss für verpflichtenden Gratiskindergarten
Ö1 Morgenjournal - Barbara Gansfuß
Der Ministerrat beschließt heute den verpflichtenden Gratis-Kindergarten. Das heißt, dass ab kommenden Herbst der Kindergartenbesuch für alle Fünfjährigen im Ausmaß von 20 Wochenstunden kostenlos ist. Die Pflicht kommt allerdings erst ab 2010, in einigen Bundesländern gilt sie dennoch schon heuer. Und weil Kindergarten in Österreich Ländersache ist, sind die Regelungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.
Meilenstein contra Schnellschuss Für die zuständige Staatssekretärin Christine Marek (ÖVP) ist der Gratiskindergarten ein Meilenstein, für die Kritiker ein unausgegorener Schnellschuss.
Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich Das Angebot variiert. Weil Kindergarten in Österreich Ländersache ist, sind die Regelungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. In Wien beispielsweise gilt: Kindergartenbesuch ist ganztags gratis. Konkret heißt das, dass die Stadt monatlich einen Höchstbeitrag von 226 Euro bezahlt, wobei mit den privaten Trägern noch verhandelt werden muss. Ob die Pflicht dieses oder nächstes Jahr kommt, ist noch nicht fix. Das Problem in Wien: Die Rede ist von hunderten fehlenden Kindergartenpädagoginnen: aus dem Büro des zuständigen Stadtrats Oxonitsch heißt es aber: Es geht sich alles aus.
In der Steiermark wiederum gibt es den Gratis-Kindergarten für Drei- bis Sechsjährige schon seit dem Vorjahr. Die Pflicht für die Fünfjährigen kommt ab 2010.
Quelle: ORF Ö1
Gratiskindergartenjahr im Ministerrat beschlossen
Das "verpflichtende" Gratiskindergartenjahr ist nun auf Regierungsebene beschlossene Sache. Der Ministerrat hat heute einen entsprechenden Beschluss gefällt. Demnach werden ab heuer 20 Stunden Kindergartenbesuch im letzten Jahr vor dem Schuleintritt von der öffentlichen Hand finanziert. Der Streit über die Absetzbarkeit von Kinderbetreuung geht unterdessen weiter.
70 Mio. vom Bund Ab 2010 müssen die Kinder zumindest an vier Tagen insgesamt 16 Stunden in der Betreuungseinrichtung anwesend sein. Der Kindergarten ist zwar an sich Ländersache, jedoch lässt sich der Bund das Gratisjahr auch einiges kosten. Wie die Regierungsspitze im Pressefoyer nach dem Ministerrat betonte, würden pro Jahr 70 Mio. Euro zugeschossen.
Faymann: 5.000 Kinder zusätzlich Für mindestens 5.000 Kinder zusätzlich würden die Bildungschancen für die Zukunft verbessert, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nach dem Ministerrat. Die Wissenschaft habe das schon lange erkannt, nun sorge die Politik dafür, dass diese Chance genutzt werden kann, so Faymann.
Streit über Kinderbetreuung geht weiter Unterdessen geht der Streit über den von Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP) vorgeschlagenen Passus, wonach die betreuende Person nur über eine Ausbildung von acht Stunden verfügen muss, damit der steuerliche Vorteil lukriert werden kann, weiter. Für Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) käme eine solche Regelung nur bei älteren Aufsichtspersonen infrage.
"Mit Crashkurs niemandem gedient" Jüngere Betreuungspersonen müssten eine umfassendere Ausbildung erhalten. Dieser Forderung stimmte auch SPÖ-Familiensprecherin Gabriele Binder-Maier zu: "Mit einem Crashkurs ist angesichts der hohen Herausforderungen bei der Kinderbetreuung weder den Betreuern noch den Kindern und Familien gedient", so Binder-Maier.
Pröll diskussionsbereit Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) zeigt sich "partiell gesprächsbereit" bei der Frage der steuerlichen Absetzbarkeit der Kinderbetreuung. Über die Einwände von Heinisch-Hosek könne man diskutieren, meinte der ÖVP-Obmann heute im Pressefoyer nach dem Ministerrat.
Gleichzeitig merkte der Vizekanzler aber an, dass man nicht vergessen sollte, dass jegliche zusätzliche Ausbildung eine Verbesserung zum Status quo sei. Denn bisher habe die Betreuung vielfach ohne jegliche Qualifikation stattgefunden.
Quelle: http://www.orf.at/
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